In den letzten Monaten wurden vermehrt Hunde mit starkem Juckreiz bei uns in der Praxis vorstellig. In den meisten Fällen bestätigte sich der Verdacht eines Räudemilbenbefalls.  Daher möchten wir einige Informationen für Hunde- und Katzenbesitzer zu dieser Erkrankung geben.

Räude wird durch die Grabmilbe „Sarcoptes scabiei“ verursacht. Diese Milben können aber auch andere Tiere (und auch den Menschen) befallen.  Beim Menschen ist die Erkrankung als „Krätze“ bekannt.  Es gibt verschiedene Unterarten dieser Milbe, die jeweils relativ wirtsspezifisch sind. Sie leben also vorzugsweise auf einer Wirtsspezies, können aber auch andere Wirte befallen.  Für den Befall bei Hund und Katze sind häufig auch Fuchsräudemilben verantwortlich.

Bei Wildtieren führt die Erkrankung meist zum Tode, da die Tiere nicht behandelt werden, bzw. nicht behandelt werden können. Bei Haustieren ist die Erkrankung hingegen gut behandelbar. Beim Menschen heilt ein Befalle mit tierischen Räudemilben sogar meist von alleine aus. Man bezeichnet dies als „Pseudo-Krätze“

Die weiblichen Milben bohren Gänge in die Haut und legen dort ihre Eier ab. Daher der Name „Grabmilbe“. Milben sind sehr klein (etwa 200 – 300 µm) und deshalb nur unter dem Mikroskop erkennbar. Sie ernähren sich von Zell- und Gewebsflüssigkeit der oberen Hautschicht.

Durch das „Graben“  der Weibchen und die unter der Haut abgelegten Eier und Exkremente, kommt es zu einem extrem starken Juckreiz. Man nimmt jedoch an, dass vor allem eine sich durch den Befall entwickelnde allergische Reaktion auf die Milbe zur Verschlimmerung des Juckreizes beiträgt. Der Entwicklungszyklus der Milben dauert 3 Wochen.  In dieser Zeit verschlimmert sich der Juckreiz, und es kommt zur Ausprägung von Hautveränderungen. Das typische Bild beim Hund zeigt zunächst eine vermehrte Schuppenbildung an den Ohrrändern, dem Nasenrücken oder um die Augen herum, später im gesamten Fell.  Es kommt zuerst zu Hautveränderungen an den Ellbogen, am Sprunggelenk, am Unterbauch und an den  Schenkelinnenseiten. Durch den starken Juckreiz kratzen sich befallen Tiere häufig die Haut auf. In der Folge infizieren sich die offenen Hautstellen mit Bakterien und es können nässende, blutige oder sogar eitrige Hautwunden entstehen.

Eine Ansteckung erfolgt durch direkten Kontakt mit erkrankten Tieren, oder indirekt durch Kontakt mit infiziertem Material.  Räudemilben sind hoch Ansteckend, von einer Ansteckung ist daher auszugehen, wenn ein infiziertes Tier mit anderen Tieren Kontakt hatte. Besonders bei Hunden verbreitet sich Sarcoptes-Räude daher schnell.  Auch eine Ansteckung vom  Wildtieren direkt (z.B. Fuchs, Marder, Maus, etc.) ist möglich. Häufig stecken sich Hund und Katze jedoch indirekt, durch Kontakt mit infiziertem Material, an. Besonders gefährdet sind daher Jagdhunde, die quasi „beruflich“ in Fuchsbauten klettern. Aber auch Hunde und Katzen die gerne in Wildtierbauten oder Mäuselöchern stöbern sind gefährdet. Ist ein Haustier bereits befallen können aber auch Decken, Schlafplätzen, etc. für andere Tiere ansteckend sein.

Insgesamt sind Hunde anfälliger für einen Sarcoptes-Räudemilbenbefall als Katzen. Ein Befall mit Ohrmilben (Otodectes) kommt hingegen bei  Katze häufiger vor, bleibt jedoch auf die Ohren beschränkt, während die Sarcoptes-Räudemilben schlussendlich das ganze Tier befallen. Es gibt auch noch andere, seltener vorkommende Milbenarten wie beispielsweise die Haarbalgmilbe (Demodex) welche vor allem beim Hund vorkommt oder die Kopfräudemilbe der Katze (Notoedres cati).  Auch diese Milbenarten verursachen starken Juckreiz und können das ganze Tier befallen. Ebenfalls zu den Milben zählt die sogenannte Herbstgrasmilbe (Neotrombicula autumnalis) welche, wie der Name schon sagt, vermehrt zwischen Juli und Oktober auftritt, und zu Juckreiz vor allem im Zwischenzehenbereich führt. Diese Milben sind leuchtend Rot und mit dem bloßen Auge gerade noch erkennbar. Der Befall mit der Herbstgrasmilbe kommt relativ häufig vor, bleibt aber lokal begrenzt und ist leicht zu behandeln.

Die Sarcoptes-Räudemilben sind in der Umgebung unter Umständen bis zu 3 Wochen überlebensfähig, so dass beispielsweise ein Fuchsbau auch nach dem Auszug des Fuchses noch lange infektiös sein kann.

Bei jedem Tier mit extrem starkem Juckreiz sollte an einen Milbenbefall gedacht werden. Der Nachweis eines Milbenbefalls erfolgt klassischerweise durch die mikroskopische Untersuchung eines Hautgeschabsels. Es lassen sich jedoch nur bei etwa 20 % der Hunde mit einem Räudemilbenbefall Milben im Hautgeschabsel nachweisen. Das liegt zum einen daran, dass die Milben unter der Haut sitzen, zum anderen, dass man erst einmal ein betroffenes Hautareal erwischen muss. Wird jedoch auch nur eine Milbe gefunden gilt dies als beweisend für einen Befall.

Auch ein Antikörpernachweis (ELISA) im Blut ist möglich. Es dauert jedoch 2 bis 5 Wochen bis sich  Antikörper gegen die Räudemilben bilden. Falsch positive Ergebnisse kommen bei starken Allergikern und bei einer bestehenden Hausstaubmilbenallergie vor.

Zur Behandlung eines Räudemilbenbefalls sind verschiedene Mittel wirksam.  Zugelassen für die Sarcoptesbehandlung beim Hund sind in Deutschland jedoch lediglich 2 sogenannte „spot-on“ Präparate: „Stronghold“ (Wirkstoff Selamection) und „Advocate“ (Wirkstoff Moxidectin).  Diese Mittel werden auf die Haut im Nackenbereich aufgeträufelt und sind in der Regel auch ausreichend. Bei hartnäckigen Fällen oder massivem Befall empfiehlt sich unter Umständen die systemische Behandlung mit Ivermectin (Spritzen). Ivermectin ist jedoch belastend für die Leber und darf unter keinen Umständen bei Tieren angewendet werden, welche hierfür empfindlich sind. Hierzu zählen vor allem Collies, Shelties, Bobtails, Australien Shepherd, Border Collies und deren Mischlinge. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind Waschungen mit „Ectodex“ (Wirkstoff Amitraz)welche jedoch häufig schlecht vertragen werden oder Tablettengaben über längere Zeit (Wirkstoff „Milbemycinoxim“).

Wenn Sie bei Ihrem Tier starken Juckreiz oder sogar bereits die typischen Hautveränderungen beobachten, sollten sie umgehend bei uns in der Praxis vorstellig werden.

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