Nun ist es endlich Sommer, das herrliche Wetter lädt zu Ausflügen ein und natürlich soll auch der geliebte Vierbeiner nicht zu Hause bleiben müssen. Aber Vorsicht! Lassen Sie Ihren Hund auch nicht nur für kurze Zeit alleine im Auto!

Hohe Umgebungstemperaturen können die Wärmekapazität des Körpers schnell überfordern, bei Hunden sind hiervon vor allem große Rassen wie auch brachycephale, also kurzköpfige Rassen betroffen (Mops, Bulldogge, Pekinese, usw.). Gerade in nichtbelüfteten, geschlossenen Räumen wie dem Auto besteht schnell die hohe Gefahr des Hitzschlags! Selbst bei moderaten Umgebungstemperaturen von um die 24°C kann die Temperatur im Wagen bei direkter Sonneneinstrahlung schon nach 20 Minuten 48°C betragen. Dies kann in weniger als 1 Stunde zum Tod des eingeschlossenen Tieres führen!

Beim Hund erfolgt die Wärmeabgabe vor allem durch Hecheln, denn durch die Verdunstung von Speichel auf der Zunge kommt es zur Abkühlung. Außerdem haben Hunde auch Schweißdrüsen, und zwar in den Zwischenzehenbereichen der Pfoten. Diese wenigen Drüsen spielen für die Abkühlung des Körpers jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Auch durch Liegen auf kühlen Oberflächen kann eine Ableitung der Körperwärme erfolgen.

Ist genügend Schatten und der Zugang zu Wasser vorhanden, beträgt die Umgebungstemperatur weniger als die Körpertemperatur oder ist die körperliche Aktivität bei hohen Umgebungstemperaturen begrenzt, dann können die Hunde ihre Körpertemperatur ausreichend regulieren.

Zu einem Hitzschlag, also einer Hyperthermie, kommt es, wenn der Körper die Wärme nicht mehr effizient abführen kann. Findet der Hund keine kühlen Liegeflächen, keine Schattenplätze, Wind oder genügend Wasser, kann er sich nicht richtig abkühlen. Wenn die Körpertemperatur steigt, erfordern die körpereigenen Kühlungsmechanismen eine Erhöhung der Stoffwechselrate und erzeugen dadurch tatsächlich noch mehr Wärme. Hecheln, Gefäßerweiterung, Erhöhung des Herzzeitvolumens (= Blutvolumen, das in einer bestimmten Zeit vom Herz über die Aorta in den Blutkreislauf gepumpt wird) und des mittleren arteriellen Drucks sind Maßnahmen der Kühlung, aber erzeugen wiederum selbst Wärme. Steigt die Körpertemperatur über 40°C, kommt es zum Hitzschlag und der Hund befindet sich in einem kritischen Zustand. In ernsten Fällen der Hyperthermie ist jedes Organsystem betroffen.

Symptome:

Hunde, die einen Hitzschlag erleiden, zeigen übermäßiges Hecheln und die Maulhöhle ist für gewöhnlich pappig auf Grund der extremen Austrocknung. Wegen der systemischen Gefäßerweiterung können die Maulschleimhäute auch dunkel oder stark durchblutet erscheinen, die kapilläre Füllungszeit kann sofort eintreten, kann aber mit einer Dauer von über 2 Sekunden auch  stark verzögert sein. Es kommt es zu einer massiven Zerstörung von roten Blutkörperchen und Funktionsstörungen der Leber. Die Schleimhäute werden ikterisch (gelb). Außerdem können Koordinationsstörungen, Tremor, unbewusstes Rudern mit den Gliedmaßen und epileptische Anfälle auftreten. Auch ein Bewusstseinsverlust bis hin zum Koma ist möglich. Die Hirnstammreflexe, wie Pupillen- und Lidschlussreflex können vermindert sein. Im Endstadium des Hitzschlags kommt es auf Grund von Ödemen im Bereich der Nerven zu flacher Atmung bis hin zum Atemstillstand.

Schleimhäute und Ohrmuscheln weisen punkt- und fleckenförmige Blutungen auf. Dies kommt durch eine Gerinnungsstörung, eine disseminierte intravasale Gerinnung (DIC), zustande. Eine Erhöhung der Herzfrequenz geht einher mit fadenförmigem Puls, Herzarrhythmien mit Pulsdefiziten. Weitere Symptome sind Blut im Kot, blutiger Durchfall, und eine Ablösung der Darmschleimhaut. Durch Schäden an der Skelettmuskulatur wird das Muskelprotein Myoblobin ins Blut freigesetzt und führt zu einer Dunkelfärbung des Urins (Myoglobinurie).

Auswirkungen der Hyperthermie auf die verschiedenen Organsysteme:

1) Nervensystem:

Eine starke Überhitzung führt zur Zerstörung von Nervenzellen. Bei Kerntemperaturen von 49-50°C kommt es zum Absterben der Nervenzellen. Gehirnödeme und verminderte Gewebedurchblutung führen zu Koordinationsstörungen und Anfällen.

2) Herz-Kreislauf-System:

Bei thermischen Schäden erweitern sich die Gefäße in der Peripherie des Körpers um zur Abkühlung genügend Blut an die Körperoberfläche zu leiten, was schnell in einem Volumenmangelschock resultiert. Gleichzeitiges massives Hecheln dehydriert den Hund, was einen weiteren Volumenmangel zur Folge hat. Zunächst wird das Herzzeitvolumen erhöht, um den Blutdruck konstant zu halten, jedoch ist dieser Zustand nur von kurzer Dauer. Mit fortschreitender Hyperthermie fällt das Herzzeitvolumen ab und damit auch der Blutdruck und die Gewebedurchblutung. Dies hat eine Mangeldurchblutung (Ischämie) aller Organsysteme zur Folge und führt dadurch zum Schock, erkennbar an erhöhter Herzfrequenz und schwachem Puls.

Auch direkte thermische Schäden an den Gefäßwänden und der Leber führen zu Blutungen und dem Unvermögen, Gerinnungsfaktoren nachzubilden. Sind die Gerinnungsfaktoren einmal verbraucht, zeigen sich punkt- und fleckenförmige Blutungen der Haut, Blut im Kot u blutiges Erbrechen.

Volumenmangel, Sauerstoffmangel, direkte thermische Schäden, Mangeldurchblutung und Reperfusionsschäden verursachen schließlich Herzarrhythmien.

3) Magen-Darm-Trakt:

Thermische Schäden der Gewebe kombiniert mit verminderter Gewebedurchblutung können Geschwüre im Magen-Darm-Trakt, Erbrechen und Diarrhoe verursachen. Der Zusammenbruch der Schleimhautbarriere im Darm kann schnell eine Sepsis mit Absinken des Blutdrucks zur Folge haben.

4) Systemisches inflammatorisches Response-Syndrom (SIRS):

Die Hyperthermie löst eine entzündungsfördernde wie auch eine entzündungshemmende Reaktion im Körper aus. Diese Reaktion kann die Darmpermeabilität erhöhen und fördert die Entwicklung eines systemischen inflammatorischen Response-Syndroms.

SIRS ist eine systemische Entzündungsreaktion des Organismus, die im gesamten Körper gleichermaßen stattfindet. SIRS und Sepsis treten gleichzeitig auf. Erhöhte Herzfrequenz, erhöhte Atemfrequenz, Hyperthermie und eine erhöhte oder verminderte Anzahl weißer Blutkörperchen können zu einem SIRS führen. SIRS verursacht verminderten Gefäßtonus, damit einhergehenden Abfall des Blutdrucks und Verminderung der Gewebedurchblutung, weiterhin Störungen der Gefäßwandpermeabilität und der Gerinnung.

4) Leber:
Die Überhitzung der Leber und daraus resultierende Leberzellschäden führen zu einer Erhöhung der Leberenzyme im Blut. Durch Zerstörung der roten Blutkörperchen steigt weiterhin der Gehalt an Bilirubin im Blut. Bilirubin ist das Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Infolgedessen werden die Schleimhäute ikterisch (gelb).
5) Nieren:

Die Dezentralisierung des Kreislaufs, der fortschreitende Wasserverlust und der Volumenmangelschock verursachen eine Schädigung der Nieren und es kommt zur Azotämie, also Anstieg von Harnstoff und Kreatinin im Blut. Der Mangel an Gerinnungsfaktoren kann zusätzlich zu Blutungen in den Nieren führen.

Therapiemaßnahmen:

Das wichtigste Ziel in der Therapie einer Hyperthermie ist es, die Körpertemperatur schnell genug abzusenken, um weitere Schäden an lebenswichtigen Organen vorzubeugen. Jedoch darf die Absenkung der Temperatur nicht zu schnell erfolgen, da dies sonst eine Unterkühlung zur Folge hätte. Zu schnelles Abkühlen der Körperoberfläche führt zur Verengung der Blutgefäße, wodurch die Wärmeabgabe zusätzlich erschwert würde.

Zu den Maßnahmen, die der Besitzer selbst ergreifen kann, gehört die Abkühlung des Hundes mit Hilfe von feuchten Tüchern und die Bereitstellung von kühlem Trinkwasser. Während der Fahrt zur Tierarztpraxis sollte die Klimaanlage eingeschaltet sein oder ein Fenster geöffnet werden.

 

Weitere intensive Therapiemaßnahmen sollten in der Tierarztpraxis umgehend eingeleitet werden.

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